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Aktualisiert im Juli 2026 · geprüft vom technischen Team von PCBark.
Eine Multilayer-Flexleiterplatte ist eine flexible Leiterplatte mit mindestens drei Kupferlagen, die zu einem einzigen biegsamen Lagenaufbau verpresst sind. Bei ihrer Entwicklung muss auf jeder Lage ein Zielkonflikt gelöst werden: Zusätzliches Kupfer ermöglicht mehr Signalführung, versteift aber zugleich die Leiterplatte und verringert den Biegeradius, den sie schadlos übersteht. Ein vierlagiger Flex-Schaltkreis ist nicht einfach eine zweilagige Leiterplatte mit mehr Leiterbahnen. Das Kupfer liegt weiter von der neutralen Biegeachse entfernt, die innere Dehnung nimmt zu und es entstehen andere Ausfallmechanismen, die berücksichtigt werden müssen. Dieser Leitfaden behandelt Lagenaufbau, Materialien, Biegeradiusberechnung, Via-Architektur und die Zuverlässigkeitsanforderungen nach IPC-6013, die eine langlebige flexible Leiterplatte von einer unterscheiden, die delaminiert. Die Konstruktionsrichtlinien gelten sowohl für mehrere Kupferlagen auf einem flexiblen Substrat als auch für die Abwägung, ob ein einfacherer einlagiger Flex ausreicht.
Eine Multilayer-Flexleiterplatte ist ein flexibler Schaltkreis mit mindestens drei leitfähigen Kupferlagen, die durch durchkontaktierte Bohrungen verbunden und durch Polyimid-Dielektrika getrennt sind (IPC-6013 Typ 3). Sie ist für statische Anwendungen, das Biegen bei der Montage und hochdichte Verbindungen ausgelegt, nicht für wiederholtes dynamisches Biegen, das sich mit ein- oder zweilagigen flexiblen Leiterplatten wesentlich zuverlässiger realisieren lässt.
- Mehr Lagen bedeuten nicht mehr Flexibilität. Jede zusätzliche leitfähige Lage verschiebt das Kupfer von der neutralen Achse weg. Multilayer-Flex ist daher vor allem für statische Anwendungen und das Biegen bei der Montage gedacht. Für dynamisch bewegte Scharniere eignen sich ein- oder zweilagige flexible Leiterplatten; eine unverbundene „Buchbinder“-Konstruktion ist die spezielle Ausnahme.
- Es gibt keinen allgemein verbindlichen Multiplikator für den Biegeradius; veröffentlichte Faustregeln weichen voneinander ab (für statische Multilayer-Anwendungen werden Werte vom 10- bis 24-Fachen der Dicke genannt). Die belastbare Methode ist das Dehnungsmodell für die äußere Faser, nicht das Ablesen aus einer Tabelle.
- Gewalztes, geglühtes Kupfer (RA) verzögert die Entstehung von Ermüdungsrissen deutlich länger als galvanisch abgeschiedenes Kupfer (ED). Dieser metallurgische Zusammenhang gilt als gesichert und beruht auf der Kornstruktur; die veröffentlichten Vielfachen unterscheiden sich je nach Prüfverfahren.
- Für die Abnahme flexibler Leiterplatten gelten die aktuelle IPC-6013E (Leistungsanforderungen, Sept 2021) und IPC-2223F (Design, 2026) – nicht die älteren Ausgaben, auf die sich viele Herstellerleitfäden noch beziehen.
Kurzinfos: Multilayer-Flexleiterplatte
| Klassifizierung nach IPC-6013 | Typ 3 (Multilayer-Flex, 3+ leitfähige Lagen mit durchkontaktierten Bohrungen) |
| Typische Lagenzahl | 3–8 Lagen (10–12 durch Buchbinder-Konstruktion möglich) |
| Basisfolie | Polyimid, 12,5–50 µm pro Lage |
| Leiter | Gewalztes, geglühtes Kupfer, 12–35 µm (0,5 oz für dynamische Anwendungen) |
| Coverlay | Polyimid + Klebstoff, 25–50 µm |
| PTH-Galvanisierung (Typ 3/4) | 25 µm durchschnittliche Kupferdicke |
| Haupteinsatzgebiet | Statisch / Biegen bei der Montage, hochdichte Verbindungen |
Was ist eine Multilayer-Flexleiterplatte und wann sollten Sie sie einsetzen?

Eine Multilayer-Flexleiterplatte ist ein flexibler Schaltkreis mit mindestens drei leitfähigen Kupferlagen, die auf Polyimid-Dielektrika verpresst und durch durchkontaktierte Bohrungen verbunden sind. Sie ist als IPC-6013 Typ 3 klassifiziert. Sie ersetzt voluminöse Punkt-zu-Punkt-Verdrahtung oder eine starre Leiterplatte, wenn hochdichte Verbindungen in einer Form benötigt werden, die sich passend zum Gehäuse falten lässt.
Unter den flexiblen Leiterplattentechnologien liegt sie über einseitigen und doppelseitigen flexiblen Leiterplatten: Eine oder zwei Kupferlagen ergeben ein biegsames Kabel, während ein flexibler Multilayer-Aufbau eine hohe Leiterbahndichte auf kleinem Raum ermöglicht. Diese Gestaltungsfreiheit – eine echte Miniaturisierung auf kleinem Raum – ist der Grund, die zusätzliche Prozesskomplexität in Kauf zu nehmen. Der überraschende Punkt: Die Leiterplatte ist nicht für ständige Bewegung ausgelegt, sondern wird einmal geformt und bleibt dann in dieser Position.
Diese Unterscheidung ist wichtig, denn die verbreitetste Annahme zu diesen Leiterplatten ist falsch. Die Empfehlungen aus der Praxis sind eindeutig: „Die dynamische Biegebeanspruchung lässt sich zuverlässig nur mit ein- und zweilagigen flexiblen Schaltkreisen beherrschen.“ Die einzige Ausnahme bilden spezielle unverbundene oder „Buchbinder“-Konstruktionen, bei denen die flexiblen Lagen gegeneinander gleiten, statt als verpresster Lagenaufbau gebogen zu werden. IPC-2223F behandelt diese Bauart; sie ist jedoch ein Sonderfall und nicht die Standardlösung. Eine Multilayer-Flexleiterplatte lohnt sich, wenn hohe Leiterbahndichte, kontrollierte Impedanz oder Abschirmung mehr als zwei Lagen erfordern und die Baugruppe nur bei der Montage in Position gebogen werden muss: etwa ein Kameramodul, das in ein Smartphone gefaltet wird, eine gestapelte Sensorleiterplatte, die sich um ein zylindrisches Gehäuse legt, oder eine Avionik-Verbindung, die in einen engen Bauraum passt. Bei diesen Anwendungen flexibler Leiterplatten – von Flexkabeln im Laptop-Scharnier bis zu gestapelten Sensorleiterplatten um ein Gehäuse – wird wiederholte Bewegung zugunsten höherer Packungsdichte eingeschränkt.
Materialien für flexible Leiterplatten: Polyimid, RA- und ED-Kupfer sowie Coverlay

Die Kupferart ist die wichtigste Entscheidung für die Zuverlässigkeit flexibler Leiterplatten, wird in vielen Leitfäden aber übergangen. Kupferfolie gibt es in zwei Varianten: galvanisch abgeschiedenes Kupfer (ED), dessen säulenförmige Kornstruktur bei wiederholtem Biegen spröde reagiert, und gewalztes, geglühtes Kupfer (RA), dessen längliche Kornstruktur Ermüdung widersteht. Durch diesen Unterschied in der Kornstruktur erreicht RA-Kupfer eine deutlich längere Biegewechselfestigkeit als ED-Kupfer. Das genaue Verhältnis hängt vom Prüfaufbau ab, doch die Richtung ist in der Ermüdungsforschung gut belegt. Deshalb ist RA-Kupfer in jeder Biegezone praktisch unverzichtbar.
Als Nächstes kommt das Laminatsystem, also das dielektrische Substrat, das den Aufbau flexibler Schaltkreise bestimmt. Bei einer klebstoffbasierten Konstruktion verbindet eine Acryl-Klebeschicht die Lagen. Ihr Wärmeausdehnungskoeffizient in Z-Richtung ist sehr hoch, was beim Reflow-Löten Risse im Zylinder der durchkontaktierten Bohrungen begünstigt. Klebstofffreies (gegossenes) Polyimid, wie die in flexiblen Leiterplatten verwendeten Laminate, beseitigt diese Grenzfläche vollständig und widersteht Reflow-Löten und Temperaturwechseln deutlich besser als ein klebstoffbasierter Aufbau. Das ist der etablierte, physikalisch begründete Grund, es immer dann vorzuziehen, wenn eine Biegezone Wärme ausgesetzt ist. Eine kleinere Studie von 2024 berichtet von einer deutlichen Verbesserung der Biegewechselfestigkeit durch den Verzicht auf Klebstoff. Betrachten Sie dies als Hinweis auf die Tendenz und prüfen Sie den Wert anhand des Datenblatts Ihres Materiallieferanten, nicht als gesicherte Kennzahl.
| Materialauswahl | Option A | Option B (Standard für Biegezonen) | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|---|
| Kupferfolie | ED (säulenförmige Kornstruktur) | RA (längliche Kornstruktur) | RA verzögert die Rissbildung deutlich länger |
| Laminat | Acrylklebstoff | Klebstofffreies / gegossenes Polyimid | Längere Biegewechselfestigkeit; niedrigerer Z-CTE |
| Kupferdicke (Biegezone) | 1 oz (35 µm) Kupfer | 0,5 oz (12–18 µm) | Dünneres Kupfer = geringere Dehnung beim Biegen |
| Oberflächenschutz | Flüssiger Lötstopplack | Coverlay (Polyimid + Klebstoff) | Coverlay biegt sich mit; Lötstopplack bekommt Risse |
Das Coverlay verdient besondere Beachtung. Anders als der flüssige Lötstopplack auf einer starren Leiterplatte besteht es aus einer festen Polyimidfolie mit einer Klebstoffschicht. Es wird ausgestanzt oder per Laser zugeschnitten, um die Pads freizulegen. Halten Sie den Coverlay-Steg mindestens 10 mils breit. Beachten Sie außerdem, dass sich Coverlay bei Bauteilen mit sehr engem Rastermaß nicht passgenau ausrichten lässt; dort sind stattdessen fotostrukturierbares Coverlay oder ein Versteifungselement erforderlich.
Symmetrischer Lagenaufbau und die Regel zur neutralen Achse

Für jeden Lagenaufbau einer flexiblen Leiterplatte gilt ein Grundprinzip: die Regel zum Lagenaufbau an der neutralen Achse. Beim Biegen ist die mechanische Dehnung in der Mitte des Aufbaus gleich null und an der Außenfläche maximal. Daher sollte das ermüdungsempfindlichste Kupfer so nah wie möglich an der neutralen Achse liegen. Jede zusätzliche Lage verschiebt die äußeren Leiterzüge weiter von der Mitte weg und erhöht ihre Dehnung – der mechanische Preis höherer Packungsdichte.
Daraus folgen zwei Konstruktionsregeln. Erstens: Vermeiden Sie den I-Träger-Effekt. Platzieren Sie Kupferleiterbahnen auf gegenüberliegenden Lagen niemals direkt übereinander, da das gestapelte Kupfer einen steifen Träger bildet und die Spannung konzentriert. Versetzen Sie die Leiterbahnen zwischen den Lagen. Zweitens: Ersetzen Sie massive Kupferflächen in der Biegezone durch ein Kreuzschraffurmuster. Ein gängiger Parametersatz ist 15 mil (0,38 mm) Leiterbahnbreite bei 25 mil (0,63 mm) Abstand, damit sich die Fläche biegen kann. Dazu äußert sich eine anerkannte Branchenautorität eindeutig:
„Für maximale dynamische Biegewechselfestigkeit und Zuverlässigkeit sollten Leiterbahnen im Biegebereich senkrecht zur Biegelinie und gleichmäßig über den Biegebereich geführt werden … Die neutrale Biegeachse sollte nach Möglichkeit in der Mitte des Leiterbahnmusters liegen … Wenn zwei flexible Schaltkreise aus Metall erforderlich sind, müssen die Leiterbahnen auf beiden Seiten gegeneinander versetzt sein, um eine Beanspruchung der Kupferfolie zu verhindern.“
Vern Solberg, unabhängiger technischer Berater, „Designer’s Notebook,“ I-Connect007
Wie viele Lagen? Die Grenze durch die Via-Zuverlässigkeit

Die richtige Lagenzahl ist die niedrigste, die Ihre Anzahl an Netzen, Impedanzbezüge und Abschirmung erfüllt, denn jede zusätzliche Lage erhöht die Gesamtdicke und verringert die Zuverlässigkeit beim Biegen. Wir nennen dies die Grenze durch die Via-Zuverlässigkeit: die praktische Lagenzahl, ab der zusätzliche Leiterbahndichte mehr Spielraum bei Vias und Biegeermüdung kostet, als sie einbringt.
Der Mechanismus dahinter: Dickere Lagenaufbauten erfordern einen größeren Mindestbiegeradius; zugleich konzentrieren durchkontaktierte Bohrungen die mechanische Spannung. Bei Ermüdungsprüfungen versagen dynamisch gebogene Multilayer-Vias schnell, sobald der Biegeradius unter ungefähr das 10-Fache der Leiterplattendicke fällt. Die Frage lautet also nicht: „Wie viele Lagen kann ich fertigen lassen?“, sondern: „Wie viele Lagen bleiben bei dieser Biegegeometrie zuverlässig?“ Teams aus der Praxis erleben das auf die harte Tour: Ein sechslagiger Prototyp für ein Wearable verfehlt die Ausbeute und die Biegeziele; nach der Neuentwicklung mit vier Lagen erfüllt er sämtliche Spezifikationen. Multilayer-Flexschaltkreise sind nur dann zusätzliche Lagen wert, wenn die Packungsdichte sie wirklich erfordert. Wo ein einlagiges Design oder ein einfacher einseitiger beziehungsweise doppelseitiger Schaltkreis die Signale führen kann, hält er bei dynamischer Biegung länger als ein dicker Lagenaufbau. Legen Sie die Lagenzahl für Ihren Multilayer-Flex-Aufbau anhand einer strukturierten Entscheidung zur Lagenzahl fest, statt standardmäßig die höchste von Ihrem Leiterplattenhersteller angebotene Zahl zu wählen.
| Lagen | IPC-6013-Typ | Für dynamisches Biegen geeignet? | Am besten geeignet für |
|---|---|---|---|
| 1 (einseitig) | Typ 1 | Ja – am besten geeignet | Dynamische Scharniere, bewegliche Köpfe |
| 2 (doppelseitig) | Typ 2 | Ja – gut geeignet | Wiederholtes Biegen + höhere Packungsdichte |
| 3–4 | Typ 3 | Statisch / eingeschränkt | Hohe Packungsdichte, einmaliges Formen |
| 6 | Typ 3 | Nur statisch | Impedanz + Abschirmung |
| 8 | Typ 3 | Nur statisch | Dichte Backplanes, Biegen bei der Montage |
| 10–12 | Typ 3 (Buchbinder-Konstruktion) | Selten / Spezialanwendung | Lose, unverbundene Flexlagenbündel |
Kontrollierte Impedanz bei flexiblen Leiterplatten

Bei flexiblen Leiterplatten verhält sich die kontrollierte Impedanz anders als bei starren FR4-Leiterplatten. Zwei Effekte überraschen dabei viele Entwickler. Erstens hat Polyimid eine niedrigere Dielektrizitätskonstante von etwa Dk 3,2–3,5 gegenüber rund 4.3 bei FR4, und die Dielektrika sind dünn (25–50 µm), sodass für 50 Ω sehr schmale Leiterbahnen erforderlich sind. Zweitens besteht die für die Flexibilität benötigte schraffierte Referenzfläche nicht aus durchgehendem Kupfer: Sie bietet keine 100%ige Abschirmung mehr, sodass die kontrollierte Impedanz der Signalleiterbahnen gegenüber einer durchgehenden Referenzfläche ansteigt und entsprechend modelliert werden muss. Bei differentiellen Hochgeschwindigkeitsverbindungen führt eine schraffierte Referenzfläche außerdem zu einer positionsabhängigen Impedanz und einer Asymmetrie des Rückstrompfads. Behandeln Sie dies daher als Feldlöserproblem und nicht mit einem einzelnen Korrekturfaktor. Eine allgemeine Regel für Übertragungsleitungen gilt weiterhin: Jede Signal- und Versorgungsleiterbahn benötigt eine durchgehende, benachbarte Rückstromfläche. Bei flexiblen Leiterplatten wird die Leiterbahngeometrie jedoch auf eine schraffierte statt auf eine durchgehende Referenzfläche abgestimmt.
Da eine verbundene Bezugsebene die flexible Leiterplatte zusätzlich versteift, kommt eine Multilayer-Flexleiterplatte mit kontrollierter Impedanz fast immer in einer statischen Anwendung zum Einsatz. Wenn Ihre Impedanzanforderungen eng sind und Sie außerdem einen starren Montagebereich benötigen, sollten Sie prüfen, ob ein dichterer HDI-Aufbau gegenüber einem herkömmlichen Multilayer-Aufbau sinnvoller ist, statt weitere Flexlagen hinzuzufügen.
Arbeitsblatt zum Mindestbiegeradius

Lassen Sie die Multiplikatortabellen außer Acht; ihre Werte widersprechen sich. Veröffentlichten Faustregeln zufolge liegt der statische Mindestbiegeradius von Multilayer-Flex zwischen dem 10- und 24-Fachen der Gesamtdicke; alle verweisen auf IPC-2223. Für dynamische Anwendungen reicht die Spanne vom 100- bis 150-Fachen. Die Werte widersprechen sich, weil ein Multiplikator die entscheidende Größe verbirgt: die Dehnung der äußeren Faser. Die belastbare Berechnung lautet:
Dehnung (%) = [ t / (2R + t) ] × 100, wobei t = Gesamtdicke des Flexbereichs und R = innerer Biegeradius. Umgestellt nach dem Mindestradius bei einer zulässigen Dehnung ε (als Bruchzahl): Rmin = t (1 − ε) / (2ε). Konstruktionsgrenzen: Die dynamische Dehnung von RA-Kupfer sollte unter ~0,3 % und die statische Dehnung unter ~10 % liegen.
Rechenbeispiel. Nehmen wir eine vierlagige flexible Leiterplatte mit einer Gesamtdicke im Flexbereich von 0,30 mm. Für eine statische Faltung bei der Montage mit einer Dehnungsgrenze von 10 % gilt: Rmin = 0,30 × (1 − 0.10) / (2 × 0.10) = 1,35 mm. Wird dieselbe Leiterplatte dynamisch bei einer Dehnungsgrenze von 0,3 % gebogen, gilt: Rmin = 0,30 × (1 − 0.003) / (2 × 0.003) ≈ 50 mm. Dieser Sprung um das 37-Fache – von einer Faltung mit 1,35 mm auf ein Scharnier mit 50 mm Biegeradius – zeigt rechnerisch, warum Multilayer-Flex für statische Anwendungen gedacht ist: Ein Biegeradius von 50 mm lässt sich in keinem Handgerät unterbringen. Berechnen Sie Ihre Werte mit einer Berechnung des Biegeradius für Multilayer-Flex, bevor Sie den Lagenaufbau festlegen.
Vias, Coverlay und Versteifungselemente

Bei Multilayer-Flex entscheidet sich die Zuverlässigkeit oft an den Vias, denn der galvanisierte Bohrungszylinder ist starr, das ihn umgebende Dielektrikum dagegen nicht. Risse im Bohrungszylinder gehen auf unterschiedliche Wärmeausdehnungskoeffizienten zurück: Wird ein Laminat mit stark abweichenden CTE-Werten erhitzt, entstehen Scherkräfte an der Klebeverbindung. Untersuchungen zur Fertigungsqualität von NASA Goddard dokumentieren diesen Mechanismus allgemein: In starren Glas-Epoxid-Aufbauten entstehen durch einen CTE-Unterschied von etwa dem 10-Fachen Grenzflächenscherkräfte. Bei flexiblen Leiterplatten verursacht der hohe Z-CTE des Acrylklebstoffs beim Reflow-Löten denselben Effekt.
Daraus folgen konkrete Konstruktionsregeln: Halten Sie Vias mindestens 20 mils von jeder Starrflex-Übergangsstelle entfernt und vollständig aus aktiven Biegezonen heraus. Verwenden Sie tropfenförmige Übergänge und erhöhen Sie die Galvanisierung durchkontaktierter Bohrungen zur mechanischen Verstärkung um bis zu 1.5 mils. IPC-6013E hat die Anforderungen in diesem Bereich verschärft: Absatz 3.4.2 fordert nun ausdrücklich einen Mindest-Ring annularer Kupferfläche von 0.001 in, wenn keine Padverrundungen vorhanden sind. Bei Aufbauten des Typs 3/4 muss die durchschnittliche PTH-Kupferdicke mindestens 25 µm betragen. Halten Sie bei statischen Designs einen Abstand von 1,0 mm und bei dynamischen Designs von 1,5 mm zwischen Vias und Biegezonen ein. Bauteile und Versteifungselemente müssen mindestens 2,5 mm von der Biegezone entfernt sein. Versteifungselemente aus Polyimid für ZIF-Steckzungen sowie aus FR4 oder Edelstahl zur strukturellen Abstützung werden unter Bauteil- und Steckverbinderbereichen angebracht, niemals über einer Biegezone. Eine DFM-Analyse des Lagenaufbaus der flexiblen Leiterplatte sollte vor der Fertigungsfreigabe bestätigen, dass jedes Via außerhalb der Biege- und Übergangszonen liegt.
Ausfallmechanismen und Zuverlässigkeit nach IPC-6013

Die meisten Ausfälle bei Multilayer-Flex sind zunächst verborgen: Die Leiterplatte besteht einen elektrischen Test im flachen Zustand und fällt erst nach dem Falten oder Reflow-Löten aus. Deshalb beruht die Qualifizierung nach IPC-6013E auf mechanischen und thermischen Belastungsprüfungen – Biegewechselfestigkeit nach IPC-TM-650 Methode 2.4.3, Temperaturwechselprüfungen und Prüfcoupons für Temperaturschock – und nicht auf einer einfachen Durchgangsprüfung. Die Tabelle ordnet die Ausfallmechanismen, gegen die Sie tatsächlich konstruieren, ihren Ursachen und Gegenmaßnahmen zu.
| Ausfallmechanismus | Ursache | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Ermüdungsrisse im Leiter | Kornstruktur von ED-Kupfer / Dehnung beim Biegen | RA-Kupfer, 0,5 oz, größerer Biegeradius |
| Risse im Via-Bohrungszylinder | Scherung durch Z-CTE des Acrylklebstoffs beim Reflow-Löten | Klebstofffreies Laminat, tropfenförmige Übergänge, Sperrbereich |
| Delamination / Blasenbildung | Feuchtigkeit im Polyimid (1–3 %), fehlendes Vorbacken | Vorbacken, Handhabung mit Feuchtigkeitssperre |
| Riss in der Kupferfolie am Coverlay-Rand | I-Träger-Spannung durch übereinanderliegende Leiterbahnen | Leiterbahnen versetzen, gegenüberliegende Lagen gegeneinander verschieben |
| Abgelöstes Pad | Biegung am Padrand, dünne Verankerung | Verankerungspads, Versteifungselement unter den Pads |
| CAF (leitfähige Filamente) | Feuchtigkeit + Spannung über dem Dielektrikum | Klebstofffreier Aufbau, Leiterbahnabstand, Abdichtung |
| Riss in der Kupferfolie in der Übergangszone | Abrupter Übergang von starr zu flexibel | Tropfenförmiger Übergang, Via-Sperrbereich ≥20 mil |
| Impedanzdrift | Schraffierte Bezugsebene / Schwankungen des Dielektrikums | Schraffierte Bezugsebene modellieren, Dicke kontrollieren |
| Verzug / Verwindung | Asymmetrische Kupferverteilung, unausgewogener Lagenaufbau | Symmetrischer Lagenaufbau, ausgewogene Kupferverteilung |
Zwei Befunde stützen die Angaben zu Feuchtigkeit und Ermüdung. Durch das Hinzufügen eines Polyimidsubstrats stieg in einer Ermüdungsstudie mit dünnem Kupfer die Zahl der Lastwechsel bis zum Ausfall von Hunderten auf Tausende. Das bestätigt die Rolle der Basisfolie. Der Ermüdungsgrenzwert der Vias unterhalb des 10-Fachen der Dicke zeigt zugleich, wie schnell die Zuverlässigkeit bei zu engem Biegeradius einbricht. Für die Abnahme flexibler Leiterplatten gelten die aktuelle IPC-6013E (September 2021, die die geänderte Revision D ersetzt) und die Designnorm IPC-2223F.
Multilayer-Flex und Starrflex-Leiterplatten im Vergleich

Unter den gängigen Leiterplattentypen ist Multilayer-Flex (IPC-6013 Typ 3) ein vollständig flexibler Lagenaufbau, während bei Starrflex (Typ 4) starre Lagen in die flexiblen Bereiche integriert werden. Eine starre Leiterplatte oder zwei separate starre Leiterplatten würden eine Kabel-Steckverbinder-Verbindung zwischen den Leiterplatten erfordern. Durch das Verpressen eines starren Leiterplattenbereichs direkt mit dem Flexbereich lässt sich diese Verbindung falten. Der praktische Unterschied liegt in der mechanischen Abstützung: Eine vollständig flexible Multilayer-Leiterplatte hat keinen starren Bereich zur Befestigung von Steckverbindern oder schweren Bauteilen. Wenn Sie sowohl eine stabile Montagefläche als auch eine faltbare Verbindung benötigen, ist Starrflex die passende Lösung; eine flexible Leiterplatte kann sie nicht immer ersetzen. Starrflex ist zudem teurer in der Fertigung; der mehrstufige Fertigungsprozess ist so komplex, dass ihm eigene Konstruktionspatente gewidmet sind.
| Merkmal | Multilayer-Flex (Typ 3) | Starrflex (Typ 4) |
|---|---|---|
| Aufbau | Vollständig flexible Lagen | Starre und flexible Bereiche |
| Bauteilabstützung | Versteifungselemente erforderlich | Integrierte starre Bereiche |
| Relative Kosten | Niedriger | Höher |
| Am besten geeignet für | Dichte, faltbare Verbindungen | Leiterplattenverbindungen mit Montagebereich |
Wenn Ihre Stückliste Steckverbinder, Abschirmgehäuse oder Bauteile mit engem Rastermaß enthält, die eine ebene starre Montagefläche benötigen, vergleichen Sie eine Starrflex-Leiterplatte mit einer starren Multilayer-Leiterplatte und einem separaten Flex-Verbinder, bevor Sie sich für einen vollständig flexiblen Aufbau des Typs 3 entscheiden.
DFM und Kosten: Entscheidungsmatrix für statische und dynamische Anwendungen

Zwei vorgelagerte Entscheidungen bestimmen den größten Teil der Kosten und der Ausbeute: ob die Leiterplatte statisch oder dynamisch eingesetzt wird und welche IPC-Leistungsklasse sie erfüllen soll. Flexible Dielektrika sind dimensionsinstabil und verändern sich während der Verarbeitung, daher sollte der Abstand zwischen Bohrung und Kupfer mindestens 8 mils betragen. Die Registrierung auf dünnen Folien beeinflusst die Ausbeute. Eine Fertigung nach IPC-6013 Klasse 3 kostet mehr als eine Fertigung nach Klasse 1/2; ein fester Aufschlag ist jedoch nicht veröffentlicht. Die Mehrkosten entstehen durch strengere Prüfungen (keine Verringerung des Restrings, vorgeschriebene Schliffproben), eine geringere Ausbeute sowie zusätzliche Temperaturwechsel- und Vibrationsprüfungen. Selbst kleine Geometrieentscheidungen schlagen sich im Preis nieder. Ein Praktiker merkt an, dass eine Verlängerung des Flex-Endes teuer ist: „2 mm verursachen sehr hohe Kosten.“
| Designparameter | Statisch (Biegung bei der Montage) | Dynamisch (wiederholte Biegung) |
|---|---|---|
| Lagenzahl | 3–8 (Multilayer möglich) | Nur 1–2 |
| Zulässige Dehnung | Bis zu ~10 % | < ~0.3% |
| Biegeradius (0,30 mm) | ~1,35 mm | ~50 mm |
| Kupfer | RA bevorzugt | RA vorgeschrieben, 0,5 oz |
| Laminat | Klebstoff zulässig | Klebstofffrei |
| Vias im Biegebereich | Vermeiden | Niemals |
| Kupfer im Biegebereich | Kreuzschraffierte Kupferfläche | Kreuzschraffiert, versetzt |
| Qualifizierung | Montagebiegung + Temperaturwechsel | Temperaturwechselprüfung nach IPC-TM-650 2.4.3 |
| Kostentreiber | Lagenzahl, Coverlay | Materialgüte, Prüfzyklen |
Branchenausblick: Designwissen wandert ins eigene Unternehmen

Für Designer flexibler Leiterplatten ist nicht die Marktgröße der wichtigste Trend, sondern die Frage, wer heute die Designentscheidungen trifft. Die Suchnachfrage zeigt, dass Ingenieure und Einkäufer Wissen über Flex-Design und Materialien zunehmend intern aufbauen: Suchanfragen zu Polyimid und Multilayer-Leiterplattendesign nehmen von Jahr zu Jahr zu, während navigationsorientierte Suchanfragen nach „Flex-Leiterplattenhersteller“ zurückgehen. In der Praxis bedeutet das: Das Design flexibler Schaltungen, die Wahl von RA-Kupfer und klebstofffreiem Laminat sowie eine auf die neutrale Faser abgestimmte Lagenzahl werden zunehmend zur Aufgabe der Käufer und nicht mehr dem Standard des Lieferanten überlassen. Designherausforderungen, die früher beim Leiterplattenhersteller lagen, fallen heute in den Zuständigkeitsbereich der Personen, die den Schaltplan verantworten. Deshalb wird bisheriges Erfahrungswissen über Designmethoden und -optionen zunehmend dokumentiert.
Auch die Normen selbst treiben diesen Wandel voran. IPC-6013E (2021) und IPC-2223F haben die Vorgaben zu Biegebereichen und Restringen aktualisiert. Klebstofffreie Materialien und Bookbinding-Aufbauten erweitern fortlaufend die Belastbarkeit von Aufbauten des Typs 3. Vor diesem Hintergrund wirkt die Marktentwicklung unterstützend, steht aber nicht im Mittelpunkt: Unabhängige Prognosen gehen bis in die frühen 2030er Jahre von einem jährlichen Wachstum des Markts für flexible Leiterplatten von etwa 12–14 % aus. Diese groben Richtwerte zeigen eine gesunde Nachfrage, sagen aber nichts über Ihren Lagenaufbau aus. Wenn Sie ein Programm für 2026 planen, sollten Sie RA-Kupfer, klebstofffreies Laminat und einen Lagenaufbau mit neutraler Faser jetzt in Ihre Spezifikation aufnehmen, statt diese Anforderungen erst bei einem Fehler am Erstmuster zu entdecken.
Häufig gestellte Fragen
F: Wie viele Lagen kann eine Multilayer-Flex-Leiterplatte haben?
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F: Welcher Mindestbiegeradius gilt für eine Multilayer-Flex-Leiterplatte?
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F: Warum wird walzgeglühtes Kupfer statt galvanisch abgeschiedenem Kupfer verwendet?
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F: Ist eine Multilayer-Flex-Leiterplatte dasselbe wie eine Starrflex-Leiterplatte?
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F: Welche Norm legt die Abnahmekriterien für Multilayer-Flex-Leiterplatten fest?
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F: Können Vias im Biegebereich einer flexiblen Leiterplatte liegen?
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Dieser Designleitfaden für Multilayer-Flex-Leiterplatten bündelt Berechnungen zu Dehnung und Biegeradius, Daten zur Ermüdung von RA- und ED-Kupfer sowie Vorgaben der IPC-6013 zu Vias und Zuverlässigkeit. Die Informationen stammen von Normungsorganisationen, aus NASA-Untersuchungen zur Fertigungsqualität und von anerkannten Fachleuten für Flex-Design – nicht aus dem Marketing von Anbietern. Wo sich Quellen widersprechen, etwa bei den unterschiedlichen Multiplikatoren für den Biegeradius, legen wir die Abweichungen offen und zeigen stattdessen die zugrunde liegende Berechnung. Solche Details im Leiterplattendesign machen den Unterschied zwischen einer zuverlässigen flexiblen Leiterplatte und einem Feldausfall. Geprüft vom technischen Team von PCBark.
Referenzen und Quellen
- Zuverlässigkeit von Leiterplatten, Wärmeausdehnungskoeffizient und Risse im Via-HohlzylinderNASA Goddard Space Flight Center (B. Sood)
- Studie zu Ermüdung flexibler Leiterplatten und Ausfallzyklen von Polyimid-SubstratenU.S. National Institutes of Health (PMC)
- Material- und Zuverlässigkeitsrichtlinien für flexible Leiterplatten der Klasse 3 (2024)Int’l Journal of Advanced Engineering Technology and Innovation
- Charakterisierung der Filmermüdung von walzgeglühtem Kupfer in FPCsMicroelectronics Reliability (Elsevier)
- Neuerungen in IPC-6013ENick Koop (stellvertretender Vorsitzender des IPC-6013-Unterausschusses), PCD&F
- Designernotizbuch: Designgrundsätze für flexible und Starrflex-LeiterplattenVern Solberg, I-Connect007
- Leiterplatten für EMV auslegen: Grundlagen des LagenaufbausKenneth Wyatt, EDN
- US5144742A, Verfahren zur Herstellung von Starrflex-LeiterplattenGoogle Patents
- Marktbericht zu flexiblen LeiterplattenGrand View Research (Marktkontext)
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